Garda Trentino Half Marathon – November 2015

Diese nervöse motorische Unruhe, die sich aus den tänzelnden Bewegungen der aufgeregten Marathonläufer beobachten lässt, wie sie komprimiert zu einem Menschenklumpen zusammengeschoben dem Start entgegenwarten, kann uns einfach nicht beunruhigen. Wir hoffen zügig vom Start wegzukommen, schwungvoll und kräftig werden uns unsere Beine durch die Außenstraßen von Riva tragen, die Stöcke fliegen und ihr rhythmisches Klapp Klapp dürfte diebesondere Aufmerksamkeit der Zuschauer auf uns lenken. Powerwalker nehmen beim Marathonveranstaltungen immer noch eine ziemlich bescheidene Rolle ein, gemessen an den vielen Tausenden Läufern. Hier in Riva aber ist selbst für Läufer die Zielzeit mit 3 h 30 min. so großzügig ausgelegt, dass man sich als Nordic Walker auch wirklich keine Gedanken machen muss, nicht willkommen zu sein oder im Schlussspurt an den Verpflegungsstellen nichts mehr zu finden.

Laufstrecke am Gardasee

Aus Riva hinaus kommen wir an den Monte Brione, 376 m hoch, der mit seinen gewaltigen Steilwänden direkt in den See abfällt, so dass wir gezwungen sind auf der gesperrten Straße durch den Tunnel zu laufen. Torbole taucht auf der anderen Seite auf, das Land weitet sich, Obstplantagen, Weinfelder, fruchtbares Land, das beste Olivenöl erntet man hier. Der Atem hat sich wieder erholt, das übliche überhöhte Anfangstempo ist zugunsten einer rationelleren Einteilung der Kräfte reguliert worden. Auch die Konzentration auf die Schrittfrequenz hat sich entspannt, das tut auch gut, denn unter dieser fröhlichen Sonntagssonne im November fühlt sich auchunter den Bedingungen eines Wettkampfes das schnelle Gehen einfach nur gut an. Wie immer summiert sich nun Kilometer um Kilometer, rechtwinklige Abzweigungen werden notwendig, um die Streckenlänge von 21, 1, km zwischen Riva und Arco zurückzulegen. Die stolzen Ruinen des Castello di Arco versprechen von weither schon die Wende. Aber es ist noch weit bis dorthin, endlich ein gerade ausgerichteter kleiner Straßenweg, der direkt bis in den Ort hineinführt. Geduld beim Gehen ist Alles. Nicht an Ankommen denken, Schritt für Schritt, an Leichtes denken. Und siehe: der Stadtschatten erleichtert unsere Anstrengung, Kühle tut gut und nimmt von uns die Hitze, die wir aus der Ebene mitgebracht haben. Endlich auch ein Versorgungsstand. Wie köstlich doch reines Wasser ist. Arco war wie Riva noch bis zum Ende des 1. Weltkrieges österreichischer Besitz. Wären wir nun noch langsamer unterwegs, hätten uns die vielen Jugendstilvillen sehr gefallen, so haben wir sie kaum bemerkt. Auch das es hier viel Schönes zu bestaunen gibt nehmen wir wahr, sind aber mit unserem energischen Vorwärtsschreiten schon überraschenderweise der Stadt wieder enteilt. An den Flusskommen wir zurück, die Sarca füllt den Gardasee. An dem lustigen Flüsslein führt ein durchaus kommoder Radweg die letzten 10 km zurück nach Torbole und weiter nach Riva. Der Weg ist nicht sehr schattig und führt zum großen See hinunter. Eine Versorgung kommt Gott sei’s gedankt noch einmal. Wieder löschen wir unseren Durst mit Wasser und es ist einfach köstlich. Zwei Stunden in zwischen im Powerwalkingmodus ist anstrengend, wenigstens entsteht für uns, die wir im Hinterfeld der Läufer hängen, keine Gefahr mit anderen zu kollidieren. Freie Bahn haben wir Gänger allemal. Da drängt sich der erste Walker vorbei, einen schönen langen, schmiegsamen Schritt hat er, baumlang wie er ist und wenig Anzeichen von Müdigkeit, kampflos kann er passieren. Und noch einer…Na, na…der soll sich mal plagen, will er an mir vorbei. Und dann tauchen die Häuser von Torbole auf, der Monte Brione in seiner vollen Wucht begleitet uns rechtswärts. Dann endlich das Ufer, der See funkelt wie ein Juwel, entlang, entlang, an den Felsabstürzen entlang, diesmal im Licht. Buchtenreich winden sich die letzten Kilometer. Die Krise, sie war nicht sehr ernsthaft, aber bemerkbar, ist nicht mehr. Mittendrin, so um die 14 oder 15 km, da ist sie gekommen und Gedanken wie, „jetzt könnt es doch zu Ende gehen“, gab ́s schon. Nun aber vor dem Ziel, die steil aufstrebenden Berge, die schon jetzt im Schatten stehen, kommen deutlich näher, wird der Anstrengung Lohn schon körperlich fühlbar. Aus Rivas Stadtplatz wachsen die Gebirge seit Urzeiten, wo sich auf den höchsten Höhen alles Licht dieses wunderbaren Herbsttages sammelt.

Zieleingang Rainer Welz

Schön war es, trotz Krise zwischendurch in einer doch noch passablen Zeit von 2:47 anzukommen. Die Sonne ist freundlich, der Jubel im Ziel ist verständlich dünn, umso entspannter unsere Freude wie nach jedem anstrengenden Walkingwettbewerb.

Gottfried Oel und Rainer Welz

Eckdaten:Teilgenommene Streckenlänge: 21, 1, km; Ort: Riva del Garda, Gardasee, Italien